...und wie man sie zur Not auch selbst messen kann

Nehmen wir an, Du möchtest ein Oberteil nähen. Wie wählst Du die richtige Größe für Dich aus? 

Normalerweise wird vorgeschlagen, die Größe nach der Oberweite bzw. nach dem Brustumfang auszuwählen. Das Problem dabei ist, dass diese Weite bei unterschiedlichen Personen sehr unterschiedlich verteilt sein kann. Vielleicht hast Du einen breiten Rücken, aber nur wenig Oberweite. Oder es ist umgekehrt: Du bist im Rücken schmal, hast aber dafür mehr Oberweite. Das Umfangmaß ist in beiden Fällen dasselbe. Von der Passform kann man das allerdings nicht sagen.

Achtung: Nicht nur die Oberweite betrachten.

Wenn Du im ersten Fall nach der Oberweite gehst, ist Dir das Oberteil im Rücken zu eng, und vorne ist es zu groß. Im anderen Fall ist es Dir im Rücken und an den Schultern zu weit, und vorne spannt's. Beides ist nicht gerade ideal. Wie kann man dieses Problem lösen?

Schau Dir die Rückenbreite an!

Hier kommt die Rückenbreite ins Spiel! Und zwar aus diesen beiden Gründen:

Erstens ist die Passform am Rückenteil und der Schulterpartie im Nachhinein sehr viel schwieriger anzupassen als die Weite im Vorderteil.

Und zweitens ist die Rückenbreite ist auch deshalb ein gutes Maß, weil an dieser Stelle in der Schnittkonstruktion wenig Mehrweite eingerechnet wird. So kann man das Körpermaß einigermaßen gut mit dem Schnittmuster vergleichen. In der Regel werden hier 1 bis 2 cm Mehrweite über den ganzen Rücken gerechnet. 

Kleiner Nachteil: Die Rückenbreite ist schwer zu messen

Ein Problem gibt es allerdings: Die Rückenbreite ist schwer korrekt zu messen. Sie verläuft quer über den Rücken von Armansatz bis Armansatz. Da kommt man selbst nur schlecht hin. Besser gesagt, gar nicht 🙂 Deshalb ist am besten, man lässt sich an dieser Stelle vermessen. Und zwar so:

Gerade und locker stehen, die Arme natürlich hängen lassen und die Hilfsperson legt das Maßband so an, dass es sich schön an den Rücken schmiegt. Vom linken Armansatz bis zum rechten Armansatz. Ein Meterstab wäre hier ungeeignet! 

ACHTUNG! So gerade wie auf der schematischen Darstellung verläuft die Strecke nicht. Benutze zum Messen auf jeden Fall ein flexibles Maßband und kein Lineal!

Schematische Zeichnung, wo die Rückenbreite zu messen ist. ein roter Doppelpfeil zwischen dem rechten und linken Armansatz zeigt die Messstrecke

Keine Hilfe in Sicht?

Was aber tun, wenn man keine Hilfsperson zur Verfügung hat?

Für diesen Fall habe ich ein Selbstexperiment durchgeführt. Ich habe mir das Maßband einfach unter die Achseln geklemmt, und per Handykamera und Selbstauslöser zwei Fotos gemacht: Einmal so, dass man das Maß am linken Arm ablesen konnte, einmal so, dass man das Maß am Rechten Arm ablesen konnte. 

Jetzt musste ich nur noch die kleiner Zahl von der größeren Zahl abziehen und voilà, hatte ich meine Rückenbreite.

Das Maßband unter die Achsel geklemmt, so dass es quer über den Rücken verläuft. Die linke Seite ist sichtbar.

Erst die Zahl unter beim linken Arm ablesen...

Das Maßband unter die Achseln geklemmt, so dass es quer über den Rücken verläuft. Die rechte Seite ist sichtbar.

.. und anschließend am rechten Arm. Dann die Zahlen subtrahieren.

Man sieht sehr schön, wie das Maßband der Rückenrundung folgt.

 Selbst messen ist nur eine Notlösung!

Aber so einfach ist es dann leider doch nicht. Je öfter ich das Experiment wiederholt habe, desto unterschiedlicher waren die Ergebnisse. Wie sich rausgestellt hat, ist diese Methode ziemlich ungenau. Wenn Du wirklich darauf angewiesen bist, dieses Maß selbst zu nehmen, dann mach auf jeden Fall mehrere Versuche und nimm am Schluss den Durchschnittswert. 

 Was tun mit dem neuem Wissen?

Und wie hilft Dir dieses Wissen jetzt in der Praxis konkret weiter? 

Schau Dir die Maßtabelle des Schnittmusters genau an! 

Ist dort eine Rückenbreite angegeben? Perfekt! Wähle die Größe, die Deiner Rückenbreite am nächsten kommt und passe ggf. das Vorderteil an, damit nicht nur die Rückenbreite stimmt, sondern auch Dein Brustumfang. (Das Stichwort heißt hier FBA bzw. SBA - Full Bust Adjustment / Small Bust Adjustment).

Die Rückenbreite ist nicht angeben?

Dann frag doch einfach beim Schnittmusterhersteller nach! Vielleicht hast Du Glück und sie helfen Dir weiter.

Du bekommst keine Antwort?

Dann kannst Du immer noch das Schnittmuster ausmessen, bevor Du den Stoff zuschneidest. In der Regel werden ja Mehrgrößenschnitte angeboten, und Du musst Dich beim Kauf noch nicht für eine bestimmte Größe entscheiden. 

Das Rückenteil ausmessen

Beim Ausmessen des Schnittmusters würde ich so vorgehen:

Zeichne eine Linie im rechten Winkel zur hinteren Mitte, ausgehend vom Seitennaht-/Armausschnitt-Punkt. Zeichne dazu eine parallele Linie im Abstand von 3-5 cm nach oben. (Der Abstand ist größer je tiefer das Armloch ausgeschnitten ist.)

Auf dieser Linie misst Du die Rückenbreite. Wenn dieses Maß multipliziert mit zwei ca. 1 - 2 cm mehr ist, als die am Körper gemessene Rückenbreite, dann ist diese Größe für Dich höchstwahrscheinlich richtig.

Der Abstand zwischen der blauen und roten Linie ist umso größer, je tiefer das Armloch ausgeschnitten ist. Je lockerer ein Kleidungsstück sitzen soll, desto tiefer der Armausschnitt.

Nicht vergessen: Das Maß doppelt nehmen, denn wir haben ja nur das halbe Rückenteil gemessen.

Schematische Zeichnung, wie ich die Rückenbreite an einem Schnittteil messe.

Nicht gerade wissenschaftlich.

Aber Du merkst schon: Eine genaue Wissenschaft ist das leider nicht. Es ist immer noch sehr viel Erfahrung und Augenmaß mit im Spiel. Trotzdem finde ich diese Vorgehensweise vielversprechender, als rein nach dem Oberweitenmaß zu gehen.

Und wenn Du ein Schnittmuster möchtest, das genau nach diesem Prinzip funktioniert, dann schau Dir doch mal mein T-Shirt No 1 an 🙂

T-Shirt No 1

Das T-Shirt No 1 ist mein erster Schnitt zum Download. 

Das Besondere: Es gibt keine Konfektionsgrößen, nur Körpermaße. Die Größenauswahl erfolgt nach der Rückenbreite und für jede Größe stehen 3 verschiedene Vorderteile zur Verfügung. Damit es vorn UND hinten stimmt!

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