Das holen wir schleunigst nach!
Eins gleich vorweg:
Du brauchst nicht unbedingt eine Hilfsperson zum Vermessen. Es geht auch ganz gut alleine, ohne dass du dich in Unterwäsche vor Menschen präsentieren musst, wenn es nicht sein muss. Ich zeig dir gleich, wie das geht.
Warum Maßnehmen wichtig ist – aber nicht perfekt sein muss
Was Du zum Maßnehmen brauchst:
Jetzt geht's los!
Die Vorbereitung
Schritt für Schritt: So nimmst Du die Maße richtig:
1. Der Brustumfang

Der Brustumfang wird an der stärksten Stelle der Brust genommen. Wenn Du stark ausgeprägte Schulterblätter hast, kann das Maßband diese auch mit einschließen.
2. Der Taillenumfang

Der Taillenumfang wird dort gemessen, wo der Oberkörper abknickt. Wenn Du Dich zur Seite beugst: Genau dort legst Du das Maßband an. Manchmal verläuft die Taillenlinie nicht waagrecht, sondern steigt nach hinten an. Das ist völlig in Ordnung.
3. Der Hüftumfang

Der Hüftumfang wird an der stärksten Stelle um den Po gemessen. Das Maßband sollte parallel zum Boden sein. Wenn Dein Bauchumfang größer ist als der Hüftumfang: keine Angst, darum kümmern wir uns im nächsten Schritt!
4. Die hohe Hüfte oder der Bauchumfang

Die hohe Hüfte wird ca. zwischen der Taille und der Hüfte gemessen. Nimm die stärkste Stelle am Bauch.
5. Die Brusttiefe messen

Die Brusttiefe ist die Strecke von der Schulter bis zum höchsten Punkt der Brust.
6. Die vordere Länge messen

Die vordere Länge ist die Verlängerung der Brusttiefe und verläuft von der Schulter bis zur Taille.
7. Den Brustabstand messen

Der Brustabstand ist der Abstand von Brustspitze zu Brustspitze. Diese Maß hilft Dir zum Beispiel, wenn Du das Ende eines Brustabnähers kontrollieren willst.
8. Die Schulterbreite messen

Lege das Maßband über den Rücken von Schulterknochen zu Schulterknochen. Markiere mit Daumen und Zeigefinger, wo Du das Maß ablesen musst.
9. Die Rückenbreite messen



Die Rückenbreite ist das einzige Maß, bei dem ich rate, es NICHT selbst zu messen. Such Dir eine Hilfsperson, die Dir schnell die Strecke von Armansatz zu Armansatz ausmisst. Ich habe hier mal ein Selbstexperiment gemacht, aber es funkioniert nicht besonders gut.
Wenn ich die Maße vom Foto nehmne und das linke vom rechten Maß abziehe, komme ich auf ca. 36 cm.
Wenn ich mich ausmessen lasse, kommt eher 43 cm raus. Das ist ein ziemlicher Unterschied und liegt vermutlich daran, dass die Positur eine andere ist.
Die Rückenbreite hängt stark davon ab, wie die Arme positioniert sind.
Ein guter Tipp ist auch, öfter zu messen und einen Mittelwert aus den Ergebnissen zu nehmen.
9. Die Rückehöhe messen

Halte das Maßband mit einer Hand an deinen Halswirbel. Wenn du eine Halskette trägst, kannt die Kette als Anfangspunkt dienen.
Markiere mit den Fingern der anderen Hand, wo das Gummiband deinen Brustumfang markiert.
10. Die Rückenlänge messen

Halte das Maßband wie vorhin an deinen Halsansatz.
Markiere mit den Fingern der anderen Hand, wo deine Taille sitzt. Orientiere dich an der Unterkante des Gummibandes.
11. Die Hüfttiefe messen

Halte das Maßband an die Unterkante des Taillenbandes.
Markiere mit der anderen Hand, wo die Hüftlinie verläuft.
12. Die Seitenlänge messen


Halte beide Enden des Maßbandes fest. Steige in das Maßband und halte es mit dem Fuß am Boden.
Verschiebe das Maßband so, dass das obere Ende an der Unterkante des Taillenbandes startet.
Lies dann das Maß beim Fuß am Boden ab.
13. Die Schrittlänge messen

Das Prinzip ist dasselbe wie bei der Seitenlänge.
Steige mit dem Fuß in das Maßband. Diesmal geht es um die innere Beinlänge.
Halte den Anfang des Maßbandes in Schritthöhe und lies das Maß am Boden an der Innenseite vom Fuß ab.
14. Die Ärmel- und Ellbogenlänge messen

Halte das Maßband an deinen Schulterknochen. Den kann man ganz gut spüren.
Halte das Maßband mit der anderen Hand so fest, dass es an der leicht gebeugten Armrückseite entlangläuft. Lies das Maß der Ärmellänge am Handgelenk und das Maß des Ellbogens am Ellenbogen ab.
Der Spiegel kann dabei helfen!
15. Den Armumfang messen

Halte das Maßband um die stärkste Stelle deines Oberarms. Ziehe das Maßband nicht zu fest! Du kannst auch gerne einen Finger als Abstandshalter nehmen!
16. Den Oberschenkelumfang messen

Halte das Maßband um die stärkste Stelle deines Oberschenkels. Achte auch hier darauf, das Maßband nicht zu fest anzuziehen.
BRAVO, DU HAST ES GESCHAFFT!
Du hast die wichtigsten Maße dokumentiert und kannst immer wieder darauf zurückgreifen.
Häufige Fehler und warum sie (meistens) kein Drama sind:
Du willst doch atmen! Lass dich von der höheren Zahl nicht abschrecken.
Dafür gibt es ja jetzt die Maßkarte 🙂
Kein Körper ist völlig symmetrisch. Nimm das mittlere Maß und passe den Rest in der Anprobe an. Lass dich nicht verunsichern!
Urteile nicht über deinen Körper. Die Zahlen sind neutral und sagen rein gar nichts über deine Schönheit oder deinen Wert aus. Akzeptiere sie, wie sie sind und nutze sie einfach als Hilfsmittel.
UND JETZT?
Das Maßnehmen ist nur der erste Schritt
Das Messen ist natürlich nur der Anfang. Vergleiche deine Maße mit den Körpermaßen des Schnittmusters, damit du mit der richtigen Ausgangsgröße startest. Du siehst auch gleich, in welchen Bereichen du das Schnittmuster vor dem Zuschneiden noch anpassen musst.
Mein Tipp: Vergleiche vor allem die Längenmaße (Rückenlänge und Hüfttiefe) mit deinem Schnittmuster. Dazu musst du das Schnittmuster ausmessen. Taillen- und Hüftlinie sind meistens gut zu finden. Falls die Maße nicht mit deinen Maßen übereinstimmen, kannst du das Schnittmuster an diesen Stellen auseinanderschneiden und entweder überlappend wieder zusammensetzen, oder einen Papierstreifen dazwischensetzen, wenn Du mehr Länge brauchst.
Wenn die Längen stimmen, hast du schon ganz viele Passformprobleme gelöst!
Und denk dran: Selbst wenn etwas nicht gleich passt, heißt das nicht, dass mit Dir etwas nicht stimmt. Mit dir stimmt alles!!! Es ist, wie so vieles eine Frage der Übung. Je besser du deinen Körper kennst, desto besser wird die Passform mit der Zeit werden.
Wie gehst du mit dem Thema Vermessen um?
Hast du Bedenken, dass die Maße »zu hoch« ausfallen, oder bist du da ganz entspannt? Hast du dich schon einmal gründlich vermessen, oder hast du noch nie darüber nachgedacht? Stresst es dich, dass sich deine Maße oft verändern? Mich schon.
Schreib mir deine Erfahrungen gerne in die Kommentare. Ich würde mich freuen!
FAQ
Das kommt darauf an, wie oft du etwas nähst. Ich würde vor jedem größeren Nähprojekt die Hauptmaße neu messen. Die Weitenmaße (Brust-, Taillen- u. Hüftumfang) ändern sich häufiger als die Längenmaße. Die Längenmaße musst du nicht jedesmal kontrollieren.
Körpermaße sind die eng am Körper gemessenen Maße. Fertigmaße beziehen sich auf das fertige Kleidungsstück. Die Fertigmaße sind immer größer als die Körpermaße. Diese Mehrweite ist notwendig, damit du dich in deiner Kleidung bewegen kannst. Die einzige Ausnahme sind sehr eng anliegene Kleidungstücke aus elastischen Stoffen.
Wie groß der Unterschied zwischen den Körper- und Fertigmaßen ist, kann sehr unterschiedlich sein. Es hängt von der Art des Kleidungsstücks und dem gewünschten Sitz ab. Soll es eher körperumschmeichelnd oder lässig weit sein? Außerdem ist das Empfinden, wie weit ein Kleidungsstück sein soll, sehr individuell. Deshalb gibt es dafür keinen Standard.
Beim ersten Mal Vermessen würde ich alle Maße auf der Maßkarte ausfüllen. Wenn Du einmal den Aufwand machst, dann richtig!
Aber du brauchst nicht für jedes Nähprojekt alle Maße. Wenn Du eine Bluse nähen möchtest, brauchst du keine Oberschenkelweite. Das ist ja klar! Nur: Wenn alle Maße auf der Maßkarte ausgefüllt sind, hast du auch immer die Maße, die du gerade brauchst.
Brustumfang, Hüftumfang, Schulter- und/oder Rückenbreite, Rückenlänge und Ärmellänge
Taillenumfang, Hüftumfang, Seitenlänge, Schrittlänge und evtl. den Oberschenkelumfang
Brustumfang, Teillenumfang, Hüftumfang, Schulter- und/oder Rückenbreite, Rückenlänge, fertige Kleiderlänge und ggf. die Ärmellänge
Notiere dir beide Maße und orientiere dich vorerst auf das mittlere Maß. Die Feinabstimmung machst Du in der Anprobe.
Dann schicke mir einfach eine Email mit deiner Frage an post[at]sabinekeller.de


Toller Post Sabine – sehr ausführlich erklärt – vor allem der Tip mit den Gummibändern ist genial – Danke!
Viele Grüsse aus der Nähwerkstatt,
Steffi
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Vielen Dank für Dein Lob, liebe Steffi!