Heute geht es um eine Schnittmuster-Verwandlung. Schnittmuster können und dürfen verändert werden! Die einfachste und wirkungsvollste Veränderung? Die Länge ändern. So wird aus einem T-Shirt im Nu ein Kleid.

Ein paar kleine Details gilt es zu beachten, aber keine Sorge: Ich zeige Dir Schritt für Schritt wie's geht. Es ist keine Hexerei. Es ist Magie!

1. Länge bestimmen

Wie lange soll Dein Kleid werden?

Von der Schulter bis zur fertigen Kleidlänge messen

Stelle Dich vor den Spiegel und miss vom Schulterpunkt bis zur gewünschten Saumlänge. ACHTUNG! Beuge Dich nicht nach vorn, um das Maßband abzulesen! Schau stattdessen in den Spiegel, um das Maß abzulesen.

So nicht! Die Gefahr ist groß, dass Dein Kleid sonst viel zu kurz wird!

Beim Messen nicht nach vorn beugen!
Stelle sicher, dass das Maßband am Körper entlang läuft, und keine Abkürzung nimmt!

So ist es besser! Stelle sicher, dass das Maßband am Körper entlang läuft und keine Abkürzung nimmt!

2. Das Vorderteil verlängern

zuerst das Original-Vorderteil kopieren

Ich habe den Schnitt ungefähr im Maßstab 3:2 ausgedruckt. Die Schnittteile sind also kleiner als im Original. Lass Dich davon nicht irritieren! So war es einfacher zu fotografieren.

Zuerst kopiere ich mir das Vorderteil auf ein neues Stück Papier.

Die vordere Mitte verlängern und die neue Länge markieren

Ich markiere die alte Länge und messe von dort den gewünschten Verlängerungsbetrag nach unten.

den neuen Saum an der vorderen Mitte im rechten Winkel zeichnen

Die neue Saumlinie zeichne ich im rechten Winkel ein. Das ist ganz wichtig, damit der Saum in der vorderen Mitte gerade wird. 

die Seitennaht bis zur neuen Saumlinie verlängern

Anschließend verlängere ich die Seitennaht, bis sie auf die neue Saumlinie trifft.

3. Die Saumlinie korrigieren

von der Seitennaht einen rechten Winkel abtragen und verlaufend in die Saumlinie einfließen lassen

Weil die Seitennaht etwas ausgellt ist, ergibt sich hier ein spitzer Winkel. Wenn wir das so lassen, würde sich im fertigen Saum eine Ecke bilden. Und das wollen wir nicht!

Deshalb muss der Winkel zwischen Seitennaht und Saum ebenfalls ein rechter Winkel sein.

Zeichne also wieder einen rechten Winkel ein, bis er die Saumline kreuzt. Anschließend gleichst Du die Ecke am Schnittpunkt mit einer schönen Kurve aus.

Bei mir war der Übergang flach genug, ich habe es einfach beim Ausschneiden mit der Schere erledigt 🙂 

4. Die Seitennaht auf das Rückenteil übertragen

Wenn bei Deinem Schnittmuster die Seitennähte von Vorder- und Rückenteil identisch sind, kannst Du die Schritte 2 und 3 genau so am Rückenteil wiederholen.

Bei meinem Schnitt ist im Vorderteil eine FBA eingebaut - deshalb ist die Seitennaht am Rückenteil deutlich gerader als am Vorderteil.

Weil ich beim Kleid aber möchte, dass es symmetrisch fällt, übertrage ich die neue Seitennaht des Vorderteils auf das Rückenteil.

Das Rückenteil wird auf neues Schnittpapier kopiert

Dazu kopiere ich mir zuerst das Rückenteil bis zum Armpunkt. Die Seitennaht lasse ich erst einmal weg.

Die hintere Mitte um den gewünschten Betrag verlängern
die Saumlinie wird im rechten Winkel zur hintern Mitte eingezeichnet

Die hintere Mitte verlängere ich wieder um den gewünschten Betrag und zeichne die neue Saumlinie ebenfalls im 90°-Winkel ein.

Seitennaht vom VT kopieren

Dann kopiere ich die Seitennaht vom Vorderteil. Ich lege die Schnittteile so aufeinander, dass sich die Armlochpunkte treffen und die vordere und hintere Mitte parallel zueinander liegen.

von der Seitennaht wieder einen rechten Winkel zeichnen, bis er auf die Saumlinie trifft

Auch hier ist der rechte Winkel wieder ganz wichtig! Ich zeichne die Saumlinie von der Seitennaht im rechten Winkel, bis sie auf die Linie trifft, die von der hinteren Mitte kommt. Das Kurvenlineal habe ich mir gespart, und die Kurve sozusagen beim Ausschneiden genommen. Das habe ich im Studium gelernt.

»Die Schere findet ihren Weg!« - Prof. Greulich, Albstadt

5. Die Weiten kontrollieren

Ich schätze mithilfe des Maßbands die fertige Saumweite.

Zum Schluss kontrolliere ich die Saumweite. Ich messe den Saum von Vorder- und Rückenteil aus, nehme ihn doppelt und vergleiche die Saumweite entweder mit dem eines bestehenden Kleides, oder ich halte das Maßband in der Saumweite einmal um mich und  schätze einfach ab, ob mir die Weite so passt. 

Außerdem kontrolliere ich die Hüftweite. Ein T-Shirt muss nicht unbedingt über den Po gehen, je nachdem, wie lang es ist. Ein Kleid sollte aber unbedingt genug Weite über Bauch und Po haben!

Deshalb lieber einmal zu viel kontrollieren, als zu wenig!

Vorder- und Rückenteil an der Seitennaht aneinanderlegen und die Saumweite kontrollieren
Seitennähte aneinanderlegen und die Hüftweite messen

Lege die Seitennähte von Vorder- und Rückenteil aneinander und miss Saum- und Hüftweite und nimm das Maß x 2. 

Die Hüfthöhe habe ich mir zuvor an mir gemessen: Vom Schulterpunkt nach unten bis zur stärksten Stelle um Bauch und Po. Diese Länge habe ich an meinem Schnittmuster abgemessen und dort die Hüftweite kontrolliert.

6. Die Weiten evtl. korrigieren

Wenn die Hüftweite fehlt, oder die Saumweite vielleicht zu weit ist, kannst Du die Seitennaht am Saum weiter einstellen oder weiter ausstellen. Taste Dich mit wenigen Zentimetern Änderung an die Sache heran. Bei großen Änderungen würde ich mir vorher ein Probeteil nähen.

Die fertigen Schnittteile!

Und das sind sie, meine neuen Schnittteile. (Nicht vom kleinen Maßband irritieren lassen!) War doch ganz einfach, oder?

8. Nähen, anziehen und ab zum Baden!

Sonnenhut aufsetzen und ab ins Strandbad!
Mit Hut, Sonnenbrille, Flipflops und Badetasche kann's losgehen!

Ich hatte nicht genug Stoff, deshalb habe ich die Saumblende angesetzt.

Außerdem habe ich Seitentaschen eingesetzt. Ein Kleid ohne Taschen macht keinen Sinn. Erst recht kein selbstgenähtes! 

Beim Stoffmuster könnte man sich allerdings fragen - ist das noch ein Badekleid oder schon ein Nachthemd? Was meinst Du? Kann ich so rausgehen?

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